#36 - Krisenregionen im Blick II: Bundesheer am Westbalkan

Shownotes

  • Was macht das Bundesheer am Westbalkan?
  • Woher kommt die Instabilität in der Krisenregion?
  • Wie wird der österreichische Einsatz am Westbalkan wahrgenommen?
  • Wieso ist es wichtig, dass Österreich sich in der Krisenregion engagiert? Ute Axmann stellt diese und weitere Fragen an Arnold Kammel: Generalsekretär im Bundesministerium für Landesverteidigung und Leiter der Generaldirektion Verteidigungspolitik. Er erzählt, warum der Westbalkan als Innenhof Europas bezeichnet wird, wie das Bundesheer vor Ort wahrgenommen wird und, wie eine Zukunftsperspektive für die Region aussehen kann.

Mehr Informationen und eine aktuelle Liste aller Auslandseinsatze des Bundesheeres findet ihr hier: https://www.bundesheer.at/einsaetze/einsaetze-im-ausland

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Transkript anzeigen

00:00:03: Wenn man es historisch betrachtet, so sieht man, dass der Westbalkan immer zum einen unterschiedlichen Einflüssen von außen ausgesetzt war und zum anderen auch die innere Dimension eine Herausforderung für den Westbalkan dargestellt hat.

00:00:20: Wir sind dort, dass der neutrale Bruder, die neutrale Schwester sozusagen die weniger machtpolitische Interessen verfolgt, sondern immer einen positiven Beitrag zu einer guten Entwicklung für den gesamten Westbalkan leisten sollte.

00:00:36: Es bleibt für uns keine Alternative, als den Westbalkan hier auch institutionell in die europäische Familie zu integrieren.

00:00:45: Die Vision für den Westbalkan kann aus dem letzten Endes aus dem Westbalkan kommen und darf nicht von Europa dem Westbalkan aufoktoriiert werden.

00:01:10: Und welche Rolle spielt das Bundesheer dabei?

00:01:13: Hallo und herzlich willkommen bei einer weiteren Folge von Heer gehört.

00:01:17: Schön, dass ihr wieder mit dabei seid.

00:01:19: Mein Name ist Ute Aksmann und mein heutiger Gesprächspartner ist der Generalsekretär des Verteidigungsministeriums Dr.

00:01:26: Arnold Kammel.

00:01:27: Er ist auch Sektionschef der Generaldirektion Verteidigungspolitik.

00:01:31: Herr Dr.

00:01:32: Kammel, vielen Dank fürs Kommen.

00:01:34: Vielen herzlichen Dank für die Einladung.

00:01:35: Herr Dr.

00:01:36: Kamel, Sie beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit Österreichs Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

00:01:41: Was ist denn so faszinierend daran?

00:01:43: Ich glaube, Sicherheit ist ein Grundbedürfnis eines jeden Einzelnen.

00:01:47: Und daher Sicherheit zu schaffen, hat mich immer schon fasziniert und bewegt.

00:01:51: Und gerade in der Zeit, in denen wir leben, wo wir eine gewisse Rückkehr der Geopolitik sehen, wo bestehende Allianzen in Frage gestellt werden, ist es faszinierend, die unterschiedlichen Perspektiven und Zugänge verschiedener Akteure zu analysieren und daraus auch Schlussfolgerungen für Österreich und damit auch für Europa entsprechend abzuleiten.

00:02:09: Wie war denn eigentlich ihr beruflicher Werdegang?

00:02:12: Ich habe in der Steinmark ganz normal die Schule absolviert.

00:02:16: Bin aber immer schon in gewisser Weise mit dem Militär durch private Kontakte in Berührung gekommen.

00:02:22: Hab danach bei meinem US-Studium den Fokus auf Sicherheits- und Verteidigungspolitik gelegt.

00:02:27: Meine Diplomarbeit über den Nationalen Sicherheitsrat geschrieben, der damals neu geschaffen wurde nach den Anschlägen von Nine Eleven.

00:02:34: Meine Dissertation war dann über die europäische Sicherheitsstrategie.

00:02:38: Es zieht sich das Thema Sicherheits- und Verteidigungspolitik wie ein roter Faden sowohl durch meine akademische als auch durch meine sonst... Laufbahn.

00:02:47: Hier kommen wir dann gleich zum Westbalkan.

00:02:49: Was zählt denn eigentlich alles dazu?

00:02:52: Wenn wir den Begriff Westbalkan hernehmen, dann reden wir über die sechs Westbalkan-Länder.

00:02:57: Albanien, Bosnien und Herzegovina, Nordmazedonien, Montenegro, Servien und den Kosovo.

00:03:05: Wir betrachten das in der Gesamtheit, weil Österreich auch alle sechs Länder des Westbalkans entsprechend anerkannt hat.

00:03:12: Sie sind ja selbst oft dort.

00:03:14: Warum ist der Westbalkan so wichtig für Österreich?

00:03:16: Und was haben wir davon, wenn wir uns damit beschäftigen?

00:03:19: Es sind meiner Meinung nach mehrere Dimensionen, weshalb der Westbalkan für uns gerade als Österreicher auch von besonderer Bedeutung ist.

00:03:27: Zum einen, wenn wir die österreichische Gesellschaft anschauen, so sehen wir die historischen Beziehungen.

00:03:32: Die Österreich mit den Ländern des Westbalkans immer verbunden haben.

00:03:36: Wenn man etwas mehr als hundert Jahre zurückdenkt, so war ja auch Teil der Monarchie ein wesentlicher Teil des heutigen Westbalkans, also wir haben diese historischen Beziehungen.

00:03:45: Wir sehen auch familiäre Banden zwischen Österreich und dem Westbalkan, wie wir die Diaspora, der Westbalkan-Länder auch in Österreich entsprechend hernehmen.

00:03:54: Darüber hinaus kommt die wirtschaftliche Komponente.

00:03:56: Wir sind einer der größten Investoren am Westbalkan und letzten Endes ist es auch die sicherheitspolitische Komponente, weil jegliche Instabilitäts, jegliche Herausforderungen, die vom Westbalkan ausgeht, unmittelbare Auswirkungen auch auf die Sicherheit von Österreich und für die Österreicherinnen oder Österreicher zeitigt.

00:04:16: Das heißt, es gibt vieles, das Österreich mit dem Westbalkan verbindet.

00:04:20: Warum kommt die Region nicht zur Ruhe?

00:04:22: Was sind denn da Ihre persönlichen Eindrücke?

00:04:24: Wenn man es historisch betrachtet, so sieht man, dass der Westbalkan ... immer zum einen unterschiedlichen Einflüssen von außen ausgesetzt war und zum anderen auch die innere Dimension eine Herausforderung für den Westbalkan dargestellt hat.

00:04:38: Koalition am Westbalkan war schwer zu erreichen.

00:04:42: Wir haben immer unterschiedliche Ethnien, unterschiedliche Zugänge auch gesehen zum Westbalkan.

00:04:48: und all diese Fragen, mit denen wir uns jetzt auseinandersetzen, sind im Wesentlichen auch das Produkt historischer Entwicklungen und bis heute ist es scheinbar nicht final.

00:04:57: Lungen hier für wirkliche Stabilität, Friede und Sicherheit endgültig auch zu sorgen.

00:05:03: Wie kann man sich denn das vorstellen, welche Mächte sind da am Wirken?

00:05:06: Wir sehen zum einen den Einfluss unterschiedlicher Regionen, die sich dann auch in politischen Akteuren entsprechend widerspiegeln.

00:05:13: Wir sehen auch, dass, wenn wir die sechs Westbalkanländer hernehmen, zumindest zwei auch historisch betrachtet, immer eine gewisse Vorreiterrolle am Westbalkan eingenommen haben und damit auch in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zueinander gestanden sind.

00:05:27: Und jedes dieser Westbalkanländer verfügt über ein Netz an historischer Gewachsenen und tradierten Beziehungen einerseits Richtung Osten, andererseits Richtung Westen.

00:05:38: Also wir sehen den Einfluss beispielsweise der Türkei, der russischen Föderation, vermehrt auch von China und Arabischen Ländern, die hier auch versuchen ein gewisses Vakuum, das vielleicht von Seiten Europas gegeben ist, dieses Vakuum entsprechend zu fühlen und ihre Interessenspolitik auch umzusetzen und zu implementieren.

00:05:57: Wenn man als Beispiel China hernimmt, was hat China für Interessen am Westbalkan?

00:06:02: Ich glaube, China verfolgt generell eine langfristige Strategie.

00:06:06: Und was oftmals bei uns als nostalgisch wahrgenommen wird, die Wiedergeburt der Seidner Straße, sind doch beinharte strategische Kalkulationen, die dahinter stehen.

00:06:17: China versucht zum einen Märkte zu eröffnen, aber auch die eigene Einflussphäre entsprechend auf und auszubauen.

00:06:24: Und gerade wenn wir den Westbalkan hernehmen zu sehen, wir die zahlreichen Infrastrukturprojekte, die auch eine erhöhtes Maß ankennen.

00:06:32: für den Westbalkan nach sich bringen sollten und der Großteil dieser Projekte wird letzten Endes auch von China umgesetzt und von China entsprechend ins Leben gerufen.

00:06:43: Und welchen Einfluss hat zum Beispiel Russland?

00:06:46: Russland hat traditionell auch aufgrund der Orthotoxie natürlich zu Servien eine besondere Beziehung über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut.

00:06:56: Wir sehen auch die Abhängigkeiten der Westbalkanländer mit Blick auf die Energieversorgung.

00:07:01: Daher betrachtet sowohl Europa einerseits als auch Russland andererseits den Westbalkan als eine der zentralen Einflussregionen, wo es auch dann in unterschiedlichen Ausprägungen auch zunimmt.

00:07:12: aufeinander treffen, dieser beiden Akteure letzten Ende.

00:07:17: Und die Türkei, wieso interessiert sich die Türkei dafür?

00:07:20: Die Türkei war traditionell in dieser Region auch immer sehr stark präsent.

00:07:25: Wir sehen auch hier den religiösen Einfluss, der entsprechend gegeben ist.

00:07:29: Und auch die Türkei hat es über viele Jahre gut geschafft, sich hier ein Netzwerk aufzubauen und vielleicht die Hoffnungen, die oftmals bei den Westbalkanländern mit Blick auf einen möglichst raschen EU-Beitritt verbunden waren und die jetzt einer gewissen Ernüchterung und Enttäuschung gewichen sind durch konkrete Aktionen und durch das Gefühl, intensive Beziehungen mit den Westbalkanländern aufzubauen, hier sozusagen auch ein gewisses Gegenmodell zu Europa entwickeln und den Einfluss hier auch entsprechend auszudehnen.

00:08:01: Das heißt, in den Westbalkanländern gibt es verschiedene Ethnien, es gibt verschiedene andere Länder, die ihren Einfluss ausüben wollen.

00:08:08: Ja, und dann gibt es noch die internationalen Partner UNO, NATO, EU.

00:08:12: Wie spielen die da hinein?

00:08:14: Die spielen in praktischer Weise insoweit hinein, dass wir, gerade wenn wir die NATO und die EU hernehmen, zwei der internationalen noch immer größeren Missionen am Westbalken haben.

00:08:24: Zum einen die Europäen Force Altea in Bosnien und Herzegovina, zum anderen die Kosovo Force KFOR als NATO-Operation im Kosovo.

00:08:33: Überall dem steht letzten Endes auch der Schirm der Vereinten Nationen, weil es auch hier in den letzten drei Jahrzehnten oder mehr als drei Jahrzehnten immer ein besonderes Bedürf ist auch seitens der internationalen Staatengemeinschaft war, zufrieden, Stabilität und Wohlstand in dieser Region einzutragen.

00:08:50: Sie haben jetzt ein paar Missionen erwähnt.

00:08:53: Welche Aufgaben haben diese Missionen?

00:08:54: Warum muss es da mehrere geben?

00:08:55: Warum reicht nicht eine Mission?

00:08:57: Auch diese Missionen sind historisch gewachsen und in gewisser Weise auch ein Produkt des Zerfalles, des früheren Jugoslawien.

00:09:06: sozusagen von Norden nach Süden sich ja letzten Endes auch ausgeprägt hat.

00:09:10: Slowenischer Unabhängigkeitskrieg an erster Stelle dann über Kroatien, nach Bosnien bis hin zum NATO, Bombatmore, Serviens als Folge.

00:09:20: Das kostet aber Konflikt in dieser Hinsicht.

00:09:22: Und beide großen Missionen haben im Wesentlichen das Ziel, eine sichere Umgebung auch für die Bevölkerung vor Ort zu schaffen, mögliche Spannungen abzubauen und letzten Endes auch vertrauensbildend vor Ort tätig zu werden.

00:09:38: Und welche Rolle spielt Österreich in dem Ganzen?

00:09:40: Wo ist da das Bundesheer dabei?

00:09:42: Österreich ist seit mehr als drei Jahrzehnten am Westbalkan auch durch die Teilnahme von Soldaten an die internationalen Übungen präsent.

00:09:51: Wenn man zurückdenkt, etwas mehr als drei Jahrzehnte, als unprofor die erste große UN-Mission gestartet wurde, war Österreich insbesondere mit Blick auf die Luftbrücke für Sarajevo, hier mit Soldaten auch an der Sicherung entsprechend beteiligt.

00:10:04: Wir haben uns an EIFOR, an SV, an den Vorläuferorganisationen von EIFOR, Altea auch Beteiligt.

00:10:11: gleiches Gilter seit dem Jahr, auch für Kosovo und KFW.

00:10:15: Die wesentlichen Aufgaben unserer Soldaten heutzutage sind zum einen im Bereich der Aufklärung zu wissen.

00:10:22: Welche Entwicklungen es vor Ort hier auch gibt.

00:10:24: Und ich glaube gerade Österreich genießt hier in den jeweiligen Ländern ein besonderes Vertrauen.

00:10:30: Das ist uns vielleicht auch ermöglicht, die Unterschied zu anderen Ländern etwas mehr diese Sensibilitäten auch herauszuarbeiten und den Gespür dafür zu bekommen, was vor Ort auch geschieht.

00:10:39: Zum anderen sind wir im Logistikbereich stark präsent bei beiden Operationen.

00:10:45: Transportkomponien, um nur ein Beispiel hier zu nennen.

00:10:48: Und wir sind letzten Endes auch mit Infanteriekräften.

00:10:51: vor Ort, um allfälligen Eskalationen hier auch entsprechend Einhalt schon vorab zu gewährleisten.

00:10:59: Wie unterscheidet sich ein Einsatz am Westbalkan von anderen Auslandseinsätzen?

00:11:03: Ich glaube, jeder Auslandseinsatz ist für sich speziell.

00:11:07: Was die Auslandseinsätze am Westbalkan ... Ausmacht ist zum einen die lange Dauer.

00:11:12: Wir reden sowohl bei KV, also bei Eufa Altea von Zeiträumen von mehr als zwei Jahrzehnten, im Falle des Kosovo, von KV mehr als fünfundzwanzig Jahren.

00:11:22: So, das ist eine gewisse auch Sättigung letzten Endes im Einsatzrahmen vielleicht spürbar.

00:11:29: Andererseits sehen wir aber gerade aufgrund der geopolitischen Entwicklungen die Notwendigkeit hier auch als internationale Staatengemeinschaft präsent zu sein, um eben vielleicht Einfluss den Dänzen von Akteuren, die versuchen, in dieser geopolitischen Gemengelage hier etwas an Grund zu gewinnen, um diesen Dänzen auch entsprechend Einhalt zu gebieten.

00:11:51: Sie sind ja oft in diesen Ländern unterwegs.

00:11:53: Wie sieht denn die Bevölkerung der Westbalkanstaaten den Einsatz des Monatsiers?

00:11:57: Ich glaube, insbesondere was den österreichischen Einsatz betrifft, so ist die Wahrnehmung vor Ort eine äußerst positive.

00:12:05: Wir genießen den Ruf zum einen über sehr gut ausgebildete Soldatinnen und Soldaten zu verfügen, zum anderen immer auch dieses Gefühl für den Westbalkan letzten Endes auch zu haben und zu wissen.

00:12:17: wie Stimmungen zu deuten sind und in welche Richtung sich hier auch das Meinungsbild entwickeln könnte.

00:12:23: Und zum anderen werden wir, glaube ich, können so vermessen argumentieren, auch in gewisser Weise als Teil dieser Region, dieser Kulturregion, letzten Endes auch angesehen.

00:12:34: Wir sind dort der neutrale Bruder, die neutrale Schwester sozusagen, die weniger machtpolitische Interessen verfolgt, sondern eben einen positiven Beitrag zu einer guten Entwicklung für den gesamten Westbalkan leisten sollte.

00:12:47: Kommen wir wieder auf die europäische Ebene.

00:12:50: Was kann bzw.

00:12:51: muss Europa beitragen, damit die Region stabiler wird?

00:12:55: Ich glaube gerade, wenn oftmals der Westbalkan als Innenhof Europas bezeichnet wird, auch auf kontageografischen Lage von EU-Mitgliedstaaten sozusagen umgeben, so ist es die Kernaufgabe für Europa, auch für den Westbalkan letzten Endes eine Perspektive zu bieten.

00:13:10: Und da kommen wir, glaube ich, an einen springenden Punkt.

00:13:13: Über Jahrzehnte in unterschiedlichen Schattierungen haben die einzelnen Länder versucht, ihre Beitrittsambitionen und ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Union voranzutreiben.

00:13:24: ist uns sozusagen ein bisschen noch nicht gelungen, weil eben auch die Hausaufgaben in den einzelnen Ländern zum Teil noch nicht gemacht wurden.

00:13:33: Komplexe Prozesse hier auch dem Prozess oftmals beeinträchtigt und verlangsamt haben.

00:13:40: Aber es ist ein fundamentales Interesse für Europa für die Europäische Union, dass gerade jene Region, wo wir über Jahrzehnte mit den Auswirkungen von Bürgerkriegen, von Auseinandersetzungen konfrontiert waren, dass diese Region vollumfänglich befriedet ist und auch einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität Europas damit leistet.

00:14:01: Aus Ihrer Sicht, welche Länder haben eine reelle Chance?

00:14:05: Ich glaube, es ist immer schwierig, einzelne Länder herauszupicken.

00:14:08: Die Kommission gibt jährlicher den Fortschrittsbericht über den Stand des Beitrittsprozesses oder der Entwicklungen der einzelnen Westbalkanländer entsprechend vor.

00:14:19: Und hier ändert sich von Jahr zu Jahr Inschadierungen auch das Bild.

00:14:23: Manchmal ist das eine Land jetzt etwas weiter vorne, manchmal das andere.

00:14:26: Das mag mit den politischen, demokratischen Zyklienwahlen etc.

00:14:31: auch zu tun haben.

00:14:33: Ich glaube, es ist wichtiger, nicht einzelnen Länder hier herauszuheben, sondern eine Vision auch für die Gesamtregion zu entwickeln.

00:14:40: Weil letzten Endes, wenn wir über Frieden und Stabilität am Westbalken reden, dann wird das nur in der Gesamtheit gehen und es wäre meiner Meinung nach hier auch fatal unterschiedliche Geschwindigkeiten letzten Endes auch anzuwenden, weil welche Signal sendet man dann an die anderen Länder auf.

00:14:57: Mir ist es aber auch bewusst, dass in der gewisse Balance einerseits zwischen den Kriterien, also der Erfüllung von Kriterien, von Maßstäben, die die EU-Mitgliedstaaten auch den Beitrittsländern vorgeben zu erreichen haben, aber andererseits spielt natürlich gerade in den letzten Jahren die geopolitische Frage eine entscheidende Bedeutung und aus geopolitischer Sicht kann man gerade diesen Raum nicht vernachlässigen und man wird eine Gesamtlösung gemeinsam, und ich glaube, das ist auch ein wesentlicher Punkt, mit den Ländern finden müssen.

00:15:27: für den Westbalkan muss letzten Endes aus dem Westbalkan kommen und darf nicht von Europa dem Westbalkan aufoktoriiert werden.

00:15:35: Trotzdem haben wir noch immer Einsätze dort.

00:15:38: Welche Lehren lassen sich aus den bisherigen Einsätzen ziehen?

00:15:41: Ich glaube auch hier sind es verschiedene Dimensionen, die zu berücksichtigen sind.

00:15:45: Und auch das, wenn wir das in den historischen Kontext setzen, wenn man beispielsweise ein Unprofor am Beginn der neunziger Jahre zurückdenkt, Geiselaktionen von UN-Soldaten, weil damals die UN-Soldaten eigentlich mit einem relativ schwachen Mandat mit einer leichter Ausrüstung ausgestattet waren.

00:16:03: Zum einen spielt diese Komponente eine Rolle.

00:16:05: Welches Mandat gibt es?

00:16:07: Welche Ausrüstung gibt man auch den Soldaten zur Umsetzung der Ziele des Mandats entsprechend mit?

00:16:16: Lehre, die sie sicherlich ziehen lässt, ist, dass es uns oftmals gerade im europäischen Verbund an einer sogenannten Exitsstrategie fehlt.

00:16:26: Was ist eigentlich der gewünschte Zielzustand für eine Region, den man definiert, bevor man in eine Mission reingeht?

00:16:33: Wir sehen es gerade bei den beiden Operationen am Westbalkan, dass wir eben über viele Jahrzehnte diese Operationen haben.

00:16:41: Wir zwar den Beitrag schätzen, den sie für dieses Safe and Secure Environment letzten Endes auch leisten.

00:16:47: Aber letzten Endes die Frage, was soll das finale Produkt sein?

00:16:50: Was ist das Ziel dieser Operationen?

00:16:53: Diese Dimension wird oftmals in den Hintergrund gedrängt.

00:16:56: Was wir als Lehren definitiv auch in positiver Hinsicht sehen konnten, ist beispielsweise ein Beblick auf Eufor Artea, das nach dem Vierundzwanzigsten Februar, den Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine die EU ein klare Signal gesendet hat, Reservekräfte mobilisiert hat in den Westbalken.

00:17:15: nach Bosnia und Herzegovina auch entsandt hat, um gleich von Anfang an zu zeigen, wir sind präsent, wir bleiben präsent und wir überlassen diesen Raum nicht dem Machtspiel anderer großer Akteure.

00:17:27: Ansonsten haben wir natürlich lessons learned Erfahrungen auf der taktisch operativen Ebene, wie die Einsatzführung sich auch im Laufe der Jahre und Jahrzehnte auch gewandelt hat.

00:17:37: Und ich glaube eben, dass insbesondere bei langen Missionen sich der Charakter der Mission einfach ändert.

00:17:44: Während am Anfang die Sicherung eines Waffenstilstandes eines Friedensabkommens im Vordergrund steht, läuft man vielleicht später etwas in die Gefahr, einen Einsatz als Routine zu betrachten.

00:17:55: Gerade der Westbalkan lehrt uns aber meiner Meinung nach, dass es ein Einsatz ist und dass ein Einsatz niemals Routine sein kann, sondern tagtäglich die Soldatinnen und Soldaten von neuen Herausforderungen stellt und es unsere auf Aufgabe auch als Ressort, als Verteidigungsministerium letzten Endes ist, die Soldatinnen und Soldaten mit dem notwendigen Mandat, mit dem notwendigen Equipment auch entsprechend auszustarten, damit sie ihre Aufträge bestmöglich erfüllen können.

00:18:21: Das heißt, wird das Bundesjahr weiterhin eine zentrale Rolle spielen?

00:18:24: Das Bundesheer wird, solange die internationale Gemeinschaft präsent ist, auch weiterhin eine zentrale Rolle am Westbalkan spielen.

00:18:32: Wir sind gerade in den Planungen im Jahr twenty-seven und zwanzig wieder die Kommandofunktion bei Euphor Altier in Bosnia und Herzegovina zu übernehmen.

00:18:41: Auch hier, wenn man ein bisschen reinhört in die Region, wird das mit großem Wohlwoll entgegengenommen, dass Österreich hier wieder als Lead Nation letzten Endes auch auftritt, auch das Engagement im Kosovo.

00:18:54: hat sich zwar durch die Entwicklung der Mission leicht geändert.

00:19:00: Letzten Ende bleibt aber die österreichische Präsenz unbestritten.

00:19:03: Machen wir eine kleine Zusammenfassung.

00:19:06: Wie sehen Sie die Zukunft des Westbalkans?

00:19:08: Welche Entwicklungen erwarten Sie?

00:19:10: Ich gehe davon aus, dass der Westbalkan Teil der europäischen Staatenfamilie werden wird, weil es eben in unserem fundamentalen Interesse liegt, den Westbalkan entsprechend zu integrieren, den Westbalkan nicht dem Machtspiel anderer Akteure letzten Endes zu überlassen.

00:19:26: Und wenn man es nüchtern analysiert, wer kann letzten Endes dem Westbalkan das bieten, was die Europäische Union bieten kann?

00:19:34: Ein Markt mit vierhundertfünfzig Millionen Einwohner, der Binnenmarkt, die schon bestehenden traditionellen Verhältnisse zwischen den Westbalkan... Balkanländern und Europa.

00:19:44: Es bleibt für uns keine Alternative, als den Westbalkan hier auch institutionell in die europäische Familie zu integrieren.

00:19:51: Eine letzte Frage, wenn Sie alle Macht der Welt hätten.

00:19:54: Was würden Sie tun, damit die Region zur Ruhe kommt?

00:19:57: Ich glaube entscheidend ist es, dass man der Region zum einen Zeit gibt, auch die historisch aufgetretenen Wunden selbst wieder zu schließen, eine Vision zu entwickeln, wie sich die einzelnen Länder auch auf ihrem Weg nach Europa entwickeln wollen, wo sie auch ihre Schwerpunkte letzten Endes auch sehen.

00:20:17: Und für mich ein entscheidender Faktor und wahrscheinlich der entscheidende, um auf ihre Frage zurückzukommen ist, es muss uns auch als Europa gelingen, die Jugend letzten Endes hin.

00:20:27: dieser Region zu belassen.

00:20:28: Wir erleben eine Region, wo gerade der Braintrain von bestens ausgebildeten jungen Leuten nach Europa, wir sind ja auch, so ehrlich muss man sein, aus Österreich ein Profiteur von diesen Entwicklungen, aber dieser Braintrain führt dazu, dass oftmals diese historischen Strukturen sich weiterversteinen und weiter fortgeführt werden, weil eben die junge Generation auch vielleicht aufgrund der fehlenden Perspektive der EU-Mitgliedschaft die Hoffnung, dass es auch in ihren Ländern sozusagen zur Frieden und Stabilität und einem guten Leben kommen wird, dass sie diese Hoffnung mehr und mehr verlieren.

00:21:05: Ich glaube, wenn es diesen Ländern gelingen sollte, eine neue Vision für sich zu definieren und auch die Frage zu beantworten, wie das gemeinsame Miteinander in dieser Region funktionieren kann, dann kommt gerade der Junge der nächsten Generation eine entscheidende Bedeutung zu, weil die wahrscheinlich auch nicht so sehr in der Vergangenheit das Erlebte als prägend für die künftige Entwicklung sieht, sondern doch den Blick auch nach Europa, den Blick auch in den Westen hat.

00:21:34: und damit vielleicht neue Perspektiven für die Länder des Westbalkans bieten könnte.

00:21:39: Das heißt, die Jugend ist die Zukunft.

00:21:41: Es gibt Herausforderungen, aber auch Chancen.

00:21:43: Absolut.

00:21:44: Und wir sollten vielleicht öfter auch in den Vordergrund stellen, welche Chancen diese Region nicht nur für Österreich, sondern auch für Europa letzten Endes bietet und nicht immer nur den Fokus auf die Auseinandersetzungen, auf die Krisen und Konflikte legen, weil diese Region ein großes Potenzial hat und das an uns als Europa auch liegt, dieses Potenzial.

00:22:03: gemeinsam mit den Ländern der Region auch entsprechend zuheben.

00:22:07: Ich sage dann vielen Dank fürs Kommen.

00:22:09: Wir werden die Namen der Einsätze und links dazu in den Show notes bringen, damit ihr euch näher darüber informieren könnt.

00:22:17: Vielen Dank fürs Zuhören und hört auch beim nächsten Mal bitte wieder

00:22:25: her.

00:22:31: Schreibt uns eine Mail

00:22:32: an podcast.bundeseb.at.

00:22:35: Wir freuen uns auf euch!

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